Chatbots in der Finanzindustrie

Bots ersetzen Callcenter-Agenten

Von Daniela Hoffmann · 2018

Künstliche Intelligenz treibt die Digitalisierung der Finanzbranche weiter voran. Das neue Können der digitalen Callcenter-Agenten verändert die Prozesse vor allem in Vertrieb und Beratung. Die Treiber sind deutlich verbesserte Sprachfähigkeiten, kombiniert mit intelligenter Datenanalyse. In Zukunft können die Banken den Markt anführen, die diese Technologien beherrschen.

Headset liegt unbenutzt auf Computertastatur

Kaum eine andere Branche gerät durch die Digitalisierung so in Panik, wie die Finanzindustrie. Der Trend ist eindeutig und das Management der Banken muss dringend reagieren: Ein großer Teil der Prozesse, die bisher in den Händen von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegt, wird in den kommenden Jahren digitalisiert. Und die Verfahren der Künstlichen Intelligenz beschleunigen mit selbstlernenden Systemen und Softwarerobotern diese Automatisierung. Die Chance für die Zukunft der Banken könnte der schnelle digitale Umbau von Callcentern und Kundenberatung sein. 

Chatbots kennen alle Regeln und Produkte

Ein Künstlicher Callcenter-Agent – ein sogenannter „Bot“ – kennt alle Produkte. Er wertet innerhalb von Sekunden Daten und Informationen aus etlichen Systemen aus, untersucht sie mit Blick auf die Governance-Regeln sowie die Kulanzspielräume des Kunden. Und dann redet der smarte Agent mit den Kunden. 

Möglich wird das durch die enormen Fortschritte bei der Spracherkennung und -verarbeitung.  Die hat nach vielen Jahrzehnten Stagnation mächtig an Fahrt aufgenommen. Ein Grund hierfür ist die Kombination von Cloudcomputing mit großen Rechenkapazitäten, billigem Speicher und intelligenten Werkzeugen. Bis zum Jahr 2020 könnten die smarten Bots 85 Prozent aller Kundenservice-Interaktionen übernommen haben.

Quelle: idealo, 2018

Selbst beim Kernthema Beratung lauert die Disruption. Nur 16 Prozent der Bankkunden bewerten ihr Beratungserlebnis als sehr gut, stellt eine Branchenstudie fest. Die allgemeine Hoffnung ist, dass die Bots die Kundenberatung besser machen, als ihre menschlichen Kollegen. In diesem Fall gehen Marktanalysten davon aus, dass der Gesamtwert der digital verwalteten Vermögen in Deutschland exorbitant wachse. Und zwar von 800 Millionen Euro im Jahr 2017 auf 35 Milliarden im Jahr 2021. Doch ob diese Milliardenumsätze ohne Risiko zu realisieren sind, ist umstritten. So geben Kritiker zu bedenken, dass KI immer nur unterstützend zum Einsatz kommen könne und der Mensch unabdingbar bleibe. Das Argument: Nur der Mensch verfüge über die beim Kundenkontakt notwendige emotionale Intelligenz. Wichtig sei also nicht nur IQ, sondern auch EQ.

Nicht alle Bots sind intelligent

Doch bei der Auswahl von KI-Werkzeuge ist Vorsicht geboten. Der Anbietermarkt hat den Begriff „Künstliche Intelligenz“ für sich vereinnahmt: Wer in den Produkten Algorithmen auf Basis von neuro­nalen Netzen erwartet, sieht bei einigen Anbietern auf den zweiten Blick leider nur mit Bots aufgefrischte Systeme auf der Grundlage von Datenextraktion oder Datenanalysen. Und diese Anwendungen sind bereits seit vielen Jahren im Einsatz. Das gilt zum Beispiel für Software, die abwanderungswillige und betrugsfreudige Kunden aufspürt. Der feine Unterschied liegt dort, wo die Künstlich intelligenten Systeme auf eigene Faust lernen und sich ohne Programmierung weiterentwickeln – zum Beispiel wenn es um veränderliche Produktportfolios oder Compliance geht. 

KI und Blockchain im Zahlungsverkehr

Start-ups fluten die Industrie und handeln mit Versicherungs- und Finanzprodukten. Sie haben mit Hilfe von Bots und Automatisierungen den Vertrieb vom Unternehmensstart an digital aufgebaut. Mit diesen Prozessen greifen sie das Kerngeschäft der Banken an. So gibt ihnen Künstliche Intelligenz verbunden mit Blockchain und Kryptowährungen das Potential, große Teile des internationalen Zahlungsverkehr zu übernehmen. Diesen umsatzstarken Bereich werden sie zu einem Bruchteil der bisherigen Kosten anbieten.

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